News RSS-Feed anzeigen

[25.06.2017] Tanzen für Alle

Der LTVB lädt nach Bad Aibling zu Tanzen für Alle

Samstag

Am Samstag, den 24.06.2017 füllte sich bereits am Vormittag das Kurhaus in Bad Aibling zum jährlichen Workshop für Trainer und Tänzer, um Neues über bekannte Tänze zu erfahren, wie auch Eindrücke neuer Tänze, Tanzstile und Tanzarten zu bekommen.
Da der Sommer bereits in vollem Umfang eingezogen ist, brauchten weder Tänzer noch Referenten zu frieren.
Wie jedes Jahr gelang es Thomas Scheiner und Ingo Körber altbewährte und neue Referenten für fachliche und überfachliche Module zu gewinnen.

Bernd Junghans – Salsa
Von überall im Kurhaus war deutlich die fröhliche und ausgelassene Stimmung aus dem Saal zu vernehmen, in dem Bernd Junghans seine Lecture im Bereich des Salsa hielt. Als man zu ihm in den Saal hineinkam, waren alle Teilnehmer bereits kunstvoll in sich verwickelt und Bernd war bemüht, seine Teilnehmer wieder zu entknoten und sie in die richtigen Verwicklungen zu bringen. Bei allem Spaß kam auch die Technik nicht zu kurz, auf die Bernd größten Wert legt, denn es geht dann einfach alles besser.
Bei dem, was die Trainer auch dieses Jahr wieder bei Bernd an Eindrücken und Informationen mitnehmen konnten, wird es wohl in vielen Unterrichtsstunden sehr viel zu lachen geben und hoffentlich viele neue Tänzer in die Säle locken.

Bernd Junghans – Tänze für Senioren
Bernd begann in dem Bereich der Sitztänze und mit dem Lied der kleinen Schaffnerin. Hier verdeutlichte er, dass auch die kleinsten Bewegungen für Senioren hohen Alters sehr wichtig sind. Und sei es nur die Koordination der Finger.
Als nächstes tanzten die Teilnehmer zu „He Makarena“ auf dem Stuhl, um den Stuhl und mehrere Stühle herum weiter, was im ersten Moment etwas an das Kinderspiel „Die Reise nach Jerusalem“ erinnerte, vor allem, als sich zwei Teilnehmer um den nächsten erreichten Stuhl stritten. Doch fordert diese Choreografie sehr viel Koordinationsfähigkeit von Tänzern im hohen Alter.
Einen Einblick gab Bernd Junghans auch in den Bereich Line Dance mit einer Choreographie der Line Dancer im Anfängerbereich.
Genau dieselbe Schrittfolge lässt sich auch im Kreis mit gefassten Händen tanzen, wobei sich viele älteren Herrschaften vielleicht sicherer auf den Beinen fühlen. Und egal in welcher Variation, diese Folge lässt sich ganz problemlos auf Musik von Rumba oder einen langsamen Walzer tanzen.
Bernd motivierte seine Teilnehmer, auch eigene Kreativität einfließen zu lassen. Und Ruckzuck hat er den Bad-Aibling-Walzer mit einfachen Elementen kreiert und auch danach benannt.
Man darf sich also durchaus schon heute auf das Ausbildungsmodul der Seniorentänze bei Bernd Junghans in Schwabach im Herbst freuen.


Kathrin Jakob und Dirk Schwab – Charleston / Lindy Hop / Boogie / Shim Sham
Kathrin Jakob und Dirk Schwab führten die Teilnehmer zu Beginn in den Charleston ein. Ein Tanz, der einfach nur Spaß, Freude und gute Laune bringen soll und nicht so technisch geprägt ist, wie es bei den Standard- und Lateintänzen üblich ist. Der Spaß und die Freude an der Bewegung steht hier komplett im Vordergrund. Außerdem stellten sie den Lindy Hop, Boogie und Shim Sham vor.

Peter Schramm – Standard und Latein
In seinen Standard- und Latein-Lectures bezieht sich Peter Schramm auf die technischen Inhalte der Nachschlagewerke, welche für alle Tänze im Standard- und Lateinbereich vom WDSF (World Dance Sport Federation) herausgegeben wurden.
In seiner Standard-Lecture begann er mit der Erklärung aus dem WDSF-Werk, warum der Kopf der Dame nach links zeigt. Schuld daran sei der Richtung Herrn gestreckte Buchnabel... Aber auch der Bauchnabel des Herrn ist von größter Wichtigkeit, wie Peter Schramm in seiner Lecture noch ausführlich erläuterte. Ein sehr interessantes neues Bild der uns altbekannten Tänze. Einige Passagen weiter und ruck zuck sind die Teilnehmer im Fortgeschrittenenstadium mit fortschrittlicheren Figuren.
Wie man an diesen Beispielen sieht, durchaus ein Werk mit zehn Bänden, in welches man seine Nase stecken kann.

Sonntag

Am Sonntagmorgen ging es weiter mit Tanzen für Alle für die Trainer des Breitensports des LTVB. Die Temperaturen gingen dank des Regens auf ein zum Tanzen und Lernen erträgliches Maß zurück und die Tänzer konnten frisch ans Werk gehen.

Hans Ehgartner – Stepptanz zum Reinschnuppern
Hans Ehgartner, der Stepptanzbeauftragte des LTVB, erklärte zuerst den Aufbau des Steppschuhs und seine Funktionen und hatte sogar ein paar Schuhe zum Ausprobieren für die Tänzer mit dabei. Er startete mit dem Shim Sham zu fetziger Musik und zeigte die ersten Schritte, bei denen man auch die unterschiedlichen Töne des Steppschuhs durch Bewegung erfahren konnte. Dazu erklärte er, Stepptanzschuhe seien in erster Linie dazu da, Krach zu machen. Doch dieser Krach soll zur Musik passen. Jeder Bereich des Fußes (Ballen, Ferse, Spitze, Hacken) erzeugt ein eigenes Geräusch. Step by Step – im wahrsten Sinne des Wortes -  erarbeitete er mit den Teilnehmern eine Choreografie. Die Teilnehmer bekamen in dieser Lecture einen interessanten Einblick in den Umgang mit dem Steppschuh, in den Tanz und seine vielseitigen Möglichkeiten.
Bernd Junghans – Westcoast Swing
Einfach und verständlich erklärte Bernd Junghans die Basics des Tanzes und zeigte bekannte Figuren aus anderen Tänzen, die auch im Westcoast Swing gang und gäbe sind. Auch hier ermutigte er die Tänzer zu mehr Mut beim Tanzen und brachte unterschiedlichste Interpretationen zum Ausdruck.

Tommy Scheiner – DTSA-Neuerungen
In der Lerneinheit für die DTSA-Prüfer zeigte Tommy Scheiner, der Sportdirektor Breiten-, Freizeit, und Gesundheitssport des LTVB die Entwicklung des DTSA auf sowie die neuesten Neuerungen. Seit dem 01.01.2017 wird das Abzeichen Gold mit Kranz durch das Tanzsportabzeichen Brillant ersetzt und jedes Leistungslevel kann beliebig oft wiederholt werden. Die Abnahmen sind nun in drei Kategorien eingeteilt, so dass jeder Tänzer, egal welchen Bereiches sein Deutsches Tanzsportabzeichen ablegen kann. In der Leistungsstufe Brilliant sind mindestens 6 verschiedene Tänze mit jeweils mind. 10 Figuren/Schrittfolgen abzulegen. Wird im Bereich Standard der Wiener Walzer gewählt, sind hier ebenso die Anzahl der festgelegten Figuren abzulegen, wobei der Pendelschritt nicht als Figur gilt.

Ingo Körber – Formationen im Freizeitsport
Ingo Körber war mit großer Leidenschaft bei seinem Thema des Formationstanzens und erarbeitete mit den Teilnehmern eine Choreografie zur Formationsmusik mit einfachen Elementen, die jeder Tänzer auch mit wenig Tanzerfahrung umsetzen kann. Er erklärte klar und verständlich, wie die Bilder im Formationstanz erreicht und umgestellt werden und wie man mit einfachen Mitteln tolle Showeffekte erreicht, die den Tänzern gleichermaßen Spaß machen wie dem Publikum.

Josip Miolcic – Solodance Country & Western
Josip Miolcic und Sebastian Damm stellten den Bereich Solodance Country & Western vor, der sich in den letzten Jahren sehr verändert hat und heute durchaus nichts mehr mit den Kreistänzen und Abklatschen zu tun haben muss. Er beinhaltet heute Westcoast Swing, Eastcoast Swing, Chacha, Walzer und vieles mehr. Für jedes Lied gibt es eine bestimmte Choreografie. Egal wo auf der Welt man hinfährt und sich ein bestimmtes Lied beim DJ wünscht, es wird jeder Tänzer dieselbe Choreographie darauf tanzen.
Dieser Tanzstil eignet sich sehr gut auch für Vereine mit Damen, bei denen die Männer einfach nicht tanzen wollen.  Und auch wenn sich ein Tanzpaar getrennt hat, haben sie die Möglichkeit, weiter zu tanzen und müssen den Verein nicht verlassen.
Ein Bereich, der durchaus lohnenswert ist, im Verein aufgenommen zu werden.

Jürgen und Stilla Jacobs – Discofox / Latin Hustle
Auch Jürgen war in seiner Lecture wieder voll in seinem Element und brachte endlos Stimmung auf das Parkett, als er den Teilnehmern einige spektakuläre Figuren zeigte. Wie man es von ihm kennt, wirbelte er mit Stilla und den teilnehmenden Tänzern bestens gelaunt über das Parkett und gab den Herren Anweisungen: „Kurbeln, kurbeln, kurbeln!“, schließlich soll sich die Dame ja auch nicht mehr anstrengen müssen, als nötig.
Weiter ging es dann mit dem Latin Hustle, der sich zum neuen Modetanz entwickelt und beim ersten Hinsehen an eine Mischung von Discofox und Westcoast Swing mit Latein-Armen erinnert, was nicht ganz zu verwundern ist, da Hustle die Ursprungsform des Discofox ist, der sich aus ihm entwickelte als er nach Europa kam.
Damals konnte die Europäer nichts mit Hustle anfangen, doch nun bekommt er seine zweite Chance, sich in Europa durchzusetzen und erfreut sich immer mehr Beliebtheit, zumal er auch viel langsamer ist als Discofox.
Spätestens nach Jürgens und Stillas Stunde wird er vermehrt in Unterrichtsstunden und in die Vereine kommen, da sie ihn mit Freude, Spaß, Leidenschaft und Können den anwesenden Trainern vermittelten und nahebrachten.

Es war dieses Jahr wieder ein tolles Wochenende mit absoluten Top-Referenten. Die Teilnehmer freuen sich bereits jetzt schon auf Tanzen für Alle im nächsten Jahr. Ein Wochenende für Tänzer und Trainer, die auch einmal über ihren Tellerrand Standard und Latein schauen und Neues kennenlernen wollen. Denn durch einen Zufall, Raum getauscht, Zeit geändert, hat sich manch einer in einer Fortbildung befunden, in die er gar nicht wollte und es wurde die Leidenschaft zu einem neuen Tanz entfacht. Und wenn man dann genau hinsieht, haben alle Tänze doch irgendwie Gemeinsamkeiten und plötzlich versteht man bei einem Tango Argentino etwas, was einem bei Latein bislang noch völlig unklar war.
Manch Leistungstrainer oder selbsternannter Trainer neigt gern dazu, den Trainer Breitensport mitleidvoll zu belächeln. Doch was ein Trainer im Breitensport für vielseitiges Wissen braucht, ist vielen gar nicht klar. Großer Respekt allen Breitensporttrainern, die an diesem Wochenende bei Tanzen für Alle zugegen waren, um ihr vielseitiges Wissen zu erweitern und auszubauen.

Beatrice Kobras
Fotos: Beatrice Kobras


 

Mila Scibor

« Zurück